ERFAHRUNGSBERICHTE UND INTERVIEWS

Mobile Radgreifer-Hebebühne

Text: Nikita Probst | Foto (Header): © Thomas Bailer

Eine Alternative zu Montagegruben können auch Hubsäulen sein. In Staig (Baden-Württemberg) sind diese seit gut zwei Jahren im Einsatz.

Auszug aus:

der bauhofLeiter
Ausgabe April 2019
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Im Gespräch
Bauamtsleiter Thomas Bailer und Bauhofleiter Karl Haiß

 

Seit wann besitzen Sie die neue Anlage auf Ihrem Bauhof in Staig?

Herr Haiß: Die Hubsäulen sind seit ca. zwei Jahren bei uns im Bauhof im Einsatz.

 

Wann haben Sie sich dazu entschieden, eine mobile Radgreifer-Hebebühne anzuschaffen?

Herr Bailer: Für die Planung des Bauhofs waren wir in vielen Gemeinden und haben unterschiedliche Bauhöfe besichtigt, um uns ein großes Bild zu machen. Wir bemerkten schnell, dass jede Gemeinde individuelle Schwerpunkte hat, anders aufgestellt ist und so auch den Bauhof gestaltet.

Herr Haiß: Im Zuge der Planung des neuen Bauhofs, kam die Frage auf, wie wir unsere Fahrzeuge reinigen und warten möchten. Im Gespräch war zunächst eine Montagegrube. Doch eine, die unseren Anforderungen gerecht wird, hätte ca. 70.000 Euro gekostet. Man sieht in jeder Autowerkstatt Hubbühnen, daher kamen wir auf die Idee, diese für unseren Bauhof anzuschaffen. In Tettnang haben wir eine Landmaschinenwerkstatt gefunden, die Hubsäulen einsetzt. Die Mitarbeiter waren sehr begeistert, sodass wir uns am Ende auch für Hubsäulen anstelle einer Montagegrube entschieden haben.

Und wieso haben Sie sich für die Hubsäulen entschieden und nicht für eine Montagegrube?

Herr Haiß: Eine Grube bringt mehr Nachteile mit sich. Wir müssen in die Grube heruntersteigen, um Arbeiten an unseren Fahrzeugen vorzunehmen. Zudem bringt eine Montagegrube mehr Gefahren mit sich, sie muss abgedeckt werden, sodass niemand stolpert und im schlimmsten Fall hineinfällt. Bei der Reinigung von Winterdienstfahrzeugen würde der Schneematsch direkt auf uns fallen und wir bräuchten eine Rinne in der Grube, damit das Wasser abfließt. Aus Sicherheitsgründen sollten immer zwei Personen in der Grube arbeiten. Beispielsweise lässt sich mit einer Hubsäule ein Schmalspurtraktor bearbeiten, das ist mit einer Grube gar nicht möglich.

 

Was war im Vorfeld der Anschaffung zu beachten?

Herr Bailer: Vor der Anschaffung war nicht viel zu beachten. Wichtig ist nur, dass eine ebene Fläche auf dem Bauhof zur Verfügung steht.

 

Wie werden die Hebebühnen bei Ihnen auf dem Bauhof eingesetzt?

Herr Bailer: Für die Reinigung und Wartung unserer Fahrzeuge. Eigentlich für alle Reparaturen, die anfallen. Neben der Pflege können wir unsere Fahrzeuge auf den Hubsäulen versiegeln und die Räder wechseln. Auch die Messer der Mähfahrzeuge können leichter geschliffen werden. Praktisch ist, dass wir die Winterfahrzeuge mit Hartwachs bearbeiten können, damit sie nicht so schnell korrodieren.

 

Wie sind die Erfahrungen Ihrer Mitarbeiter damit?

Herr Bailer: Im ersten Moment waren sie ein wenig skeptisch, aber jetzt sind sie begeistert und haben gemerkt, dass die Hubsäulen eine gute Alternative sind.

Herr Haiß: Mittlerweile sind alle überzeugt davon, dass wir die Hubsäulen geschickt einsetzen können. Obwohl zu Beginn der Planung die Grube im Raum stand.

 

Was würden Sie sagen, sind die großen Vorteile der Hubsäulen?

Herr Bailer: Sie sind günstiger und vielseitig einsetzbar. Die Technik ist einfach zu bedienen. Für die Wartung kommt regelmäßig jemand vom TÜV oder DEKRA vorbei. Von den vier Säulen gibt es eine Mastersäule, die die anderen drei Hubkörper steuert. Somit bewegen sich alle vier synchron nach oben und unten. Bei Montagegruben mit einer Treppe an der Stirnseite sind die Arbeitswege deutlich länger.

Herr Haiß: Mit den Hubsäulen ist es einfacher zu arbeiten. Wir haben viel mehr Platz und müssen nicht auf beengten Raum arbeiten. Die Lichtverhältnisse sind in einer ausgeleuchteten Halle viel besser als in einer Grube. Zudem ist es sicherer und einfacher unter Hubsäulen zu arbeiten, hat man ein Teil vergessen, muss man nicht aus der Grube hochsteigen. Es ist zudem simpler, den Unterboden der Fahrzeuge zu waschen. Das Reinigungswasser läuft besser ab und wir haben am Ende nicht das ganze Wasser auf unserer Kleidung. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass Fahrzeuge mit unterschiedlichen Breiten und Radständen dort bedient werden können. Es gibt zusätzliche Adapter, mit denen wir kleinere Fahrzeuge reparieren und warten können. Die fahrbaren Säulen stören nicht in der Halle, sie benötigen einen Platz von 4 m x 1,20 m, eine Hubsäule hebt 7,5 t. Es lassen sich auch manuell unterschiedliche Höhen, an den einzelnen Säulen, einstellen. Praktisch erweist sich das bei der Demontage von Rädern. Das Schmelzwasser fließt im Winter einfacher ab.

 

Was können Sie anderen Bauhofleitern für Tipps geben, die sich eine mobile Radgreifer-Hebebühne anschaffen möchten?

Herr Bailer: Bei uns ist es wichtig, dass die Fahrzeuge in einem guten Zustand sind. Wir haben einen Landmaschinenmechanikermeister, der sich bei uns um die Fahrzeuge kümmert. Einen Großteil der Reparaturen an Maschinen und Fahrzeugen führen wir selber durch. Ich kann Hubsäulen Bauhöfen empfehlen, die ihre Fahrzeuge nicht zur Instandhaltung weggeben. Jeder Bauhof hat seinen eigenen Schwerpunkt und als Bauhofleiter muss man schauen, welche Dinge wichtig sind. Bevor man sich eine Montagegrube anschafft, sind die Hubsäulen eine Top Alternative.

Herr Haiß: Auch sollte man sich überlegen, was für Fahrzeuge man damit anheben will. Für den Unimog werden andere Adapter als für den Piaggio gebraucht. Das sollten Bauhofleiter mit der Lieferantenfirma durchsprechen, damit sie am Ende die passenden Konsolen und Aufnahmeadapter erhalten. Am kostengünstigsten ist es, den Preis für die Adapter im Vorfeld zu verhandeln. Die Hubsäulen gibt es in zwei Ausführungen – mit Akku oder mit Kabel. Wir auf dem Bauhof Staig haben uns für die Variante mit Kabel entschieden, da diese günstiger sind und Akkus nach einigen Jahren ausgewechselt werden müssen. Perfekt eignet sich die mobile Radgreifanlage für das einwachsen der Winterdienstfahrzeuge. Wir haben einen Unimog U300 der seit 15 Jahren auch zum Streuen von Salz eingesetzt wird und sich in einem sehr guten zustand befindet.

 

Herzlichen Dank für diesen interessanten Einblick.

Bauhof Gemeinde Staig

Mitarbeiterzahl: vier Mitarbeiter in Vollzeit und zwei Mitarbeiter in Teilzeit für die Grünanlagenpflege
Einwohnerzahl der Gemeinde Staig: 3.181
Besonderheiten des Bauhofs: Der SC Staig hat aktuell 2.156 Mitglieder, das sind 68 % der Einwohner. Daher gibt es in der Gemeinde viele Grünanlagen zu pflegen. Eine weitere Besonderheit ist der Schutzwasserkanal, den der Bauhof mit drei Gemeinden teilt, die Verwaltung des Kanals gehört zum Aufgabenbereich des Bauhofs Staig. Seit Juni 2018 besitzt die Gemeinde einen neuen Bauhof mit einer Metallwerkstatt und einer modernen Fahrzeughalle.

Der Autor

Nikita Probst

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