MEIN TEAM UND ICH

Bauhof sucht Fachkraft

Text: Redaktion | Foto (Header): © Forum-KI

Stammkunden, Schutzangebote und verschlüsselte Preisangaben: Das Bundeskartellamt beschreibt, wie sich führende Anbieter von Dünnen Asphaltdeckschichten in Kaltbauweise über Jahre bei Aufträgen abgestimmt haben. Die rechtskräftigen Bußgeldbescheide betreffen auch zahlreiche Ausschreibungen öffentlicher Auftraggeber.

Auszug aus:

der bauhofLeiter
Ausgabe Oktober 2026
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Gärtner, Straßenbauer, Kfz-Fachkräfte oder Beschäftigte mit passenden Fahrerlaubnis-sen. Die Erfahrungen reichen von unbesetzten Stellen über extern vergebenen Leistungen bis hin zum Quereinsteiger. Einig sind sich die Gesprächspartner jedoch darin, dass Ausbildung, Arbeitsbedingungen und die Sichtbarkeit als Arbeitgeber wichtiger werden.

 

Gärtnerstelle seit einem Jahr vakant

Willfried de Boer berichtet von einem kleinen Bauhof mit derzeit sechs Beschäftigten. Das Team bewirtschaftet eine Fläche von rund 110 Quadratkilometern bei etwa 6.600 Einwohnern. Besonders schwer ist es, Gärtnerstellen zu besetzen. Eine Stelle ist seit ungefähr einem Jahr vakant; seit rund drei Jahren wird es zunehmend schwieriger, geeignetes und erfahrenes Personal zu fin-den.

Da der Bauhof nicht selbst ausbildet, richtet sich die Suche vor allem an Berufserfahrene. Als mögliche Ursache vermutet de Boer die Eingruppierung in EG 5 nach TVöD. Aufgrund der fehlenden Fachkraft vergibt der Bauhof inzwischen die Beetpflege extern. Hecken-schnitt und das Mähen von Wegeseitenrändern werden bereits seit Jahren vergeben und auch bei Instandsetzungen im Wegebau werden häufiger externe Aufträge erteilt.

 

Große Unterschiede nach Region und Gewerk

Mike Seidel leitet in Dinslaken einen großen Bauhof mit rund 220 Mitarbeitenden und mehreren Fachbereichen. Seine Erfahrung am Niederrhein unterscheidet sich deutlich von der von de Boer. Ausgebildete Gärtnerinnen und Gärtner sind in seiner Region grundsätzlich zu finden. Häufig fehlt Bewerbenden jedoch die erforderliche Fahrerlaubnis, etwa für Anhänger oder Lkw.

Im Bereich Straßenunterhaltung ist die Lage schwieriger. Ohne eigene Ausbildung ist nach Seidels Angaben problematisch, Straßenbauer mit den notwendigen Qualifikationen und Führerscheinen zu gewinnen. Er beobachtet einen Rückgang qualifizierter Bewerbungen in handwerklichen Berufen. Den Markt bewertet er allerdings nicht als voll-ständig leergefegt. Für den Straßenbau sieht er auch ein Imageproblem, obwohl dort Entwicklungsmöglichkeiten etwa zum Meister, Techniker, Straßenbegeher oder Straßenkontrolleur bestehen.

Lemke aus Wolfsburg berichtet ebenfalls von einer erfolglosen Suche. Nachdem sich auch auf eine zweite Ausschreibung kein geeigneter Bewerber gefunden hat, ist sie zurückgezogen worden. Die Aufgaben wurden intern verteilt. Der Bauhof setzt darauf, eigene Auszubildende nach erfolgreichem Abschluss zu übernehmen. Für Tätigkeiten im Straßen-bau würde Lemke auch sehr gute Handwerker mit anderer beruflicher Herkunft berück-sichtigen. Praktische Erfahrung kann fehlen-de formale Vorkenntnisse nach seiner Einschätzung zum Teil ausgleichen.

 

Engpässe nicht bei allen Bauhofberufen

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) verweist für die Arbeitsmarktlage auf ihre interaktiven Berufsstatistiken. Danach gelten unter anderem Kfz-Mechatronik und Gartenbau auf Fachkräfteniveau als Engpassberufe. Bei Elektrik und Tiefbau sind mehrere Berufsuntergruppen als Engpassberufe ausgewiesen. Die Berufsgruppen Bauhofarbeiter/in, Bauhoffacharbeiter/in sowie Bauhof auf Spezialistenniveau werden in den von der BA übermittelten Angaben dagegen nicht als Engpassberufe geführt.

Kommunale Bauhöfe konkurrieren nach Einschätzung der BA mit privaten Unter-nehmen, aber auch mit anderen öffentlichen Arbeitgebern. Angesichts demografischer Entwicklungen und des Fachkräftemangels können Arbeitsuchende häufig zwischen mehreren Angeboten wählen. Entscheidend sind nicht allein Entgelt oder Standort, sondern die Gesamtschau der Beschäftigungsbedingungen. Dazu zählen Arbeitszeit, Arbeitsklima, Entwicklungsmöglichkeiten, Ausstattung und Arbeitsplatzsicherheit.

Die BA sieht im öffentlichen Dienst eine vergleichsweise hohe Stabilität und Sicherheit. Tarifliche Konditionen sind jedoch nur eingeschränkt verhandelbar und das Entgelt tendenziell niedriger als in privatwirtschaftlichen Unternehmen.

 

Tarif und Führerschein als Faktoren

Seidel erzählt von der Möglichkeit, dass Beschäftigte seinen Bauhof teils für finanziell attraktivere Angebote verlassen könnten. Auch längere kommunale Auswahlverfahren könnten dazu führen, dass Bewerbende bereits anderweitig untergekommen sind. Das Tarifsystem empfindet er als wenig flexibel, um auf regional unterschiedliche Vergütungen am Arbeitsmarkt reagieren zu können. Seine Forderung: Kommunen sollten bei der Vergütung stärker auf örtliche Wettbewerbssituationen reagieren können.

Der Kommunale Arbeitgeberverband Hessen kann die allgemeine Einschätzung, gerade kleinere und mittlere Kommunen hätten besondere Probleme bei der Gewinnung qualifizierter und erfahrener Bauhofbeschäftigter, nicht bestätigen. Nach Angaben des Verbands fehlen hierfür jedoch auch die notwendigen Daten für eine detaillierte Bewertung einzelner Berufsgruppen.

Für Hessen verweist der Verband auf den seit 1. Januar 2024 geltenden HTB-H zur Eingruppierung handwerklich tätiger kommunaler Beschäftigter. Bei Mischtätigkeiten auf Bauhöfen ist unter den jeweiligen Voraussetzungen eine Eingruppierung in EG 6 möglich. Davon machen nach Kenntnis des Verbands durchaus häufig Gebrauch. Spezielle Höhergruppierungsmerkmale ermöglichen zudem Eingruppierungen von EG 7 bis EG 9a. Dies gilt unter anderem für Tätigkeiten in Gärten, Parks, Grünflächen, auf Friedhöfen und Spielplätzen.

 

Ausbildung, Einarbeitung und Sichtbarkeit

Die eigene Ausbildung ist in den Bauhöfen von Dinslaken und Wolfsburg ein zentraler Baustein. Seidel bildet unter anderem Gärtnerinnen, Gärtner und Straßenbauer aus, berichtet aber von einem gestiegenen Betreuungsaufwand, auch bei schulischen Themen. Gute Erfahrungen hat sein Bauhof mit Menschen gemacht, die sich in einem zweiten Ausbildungsweg in einen handwerklichen Beruf wechseln. Quereinsteiger ohne einschlägige Qualifikation kommen bei ihm vor allem über eine Ausbildung oder zu-nächst als Hilfskräfte infrage.

Die BA empfiehlt Kommunen unter anderem, Stellenangebote mit Tätigkeiten, Anforderungen und Rahmenbedingungen möglichst konkret zu beschreiben. Genannt wer-den außerdem strukturierte Einarbeitung etwa über Paten- oder Mentorensysteme, Weiterbildungen, flexible Arbeitszeitmodelle und die Ansprache zusätzlicher Bewerber-gruppen. Auch Menschen, die nicht alle Anforderungen bereits erfüllen, können mit Qualifizierung in die Aufgabe hineinwach-sen.

Seidel setzt bei der Bindung von Beschäftigten auf persönliche Wertschätzung, Gestaltungsspielräume und gute Arbeitsmittel. Moderne Maschinen, Fahrzeuge und digitale Arbeitsmittel erhöhen aus seiner Sicht die Attraktivität des Arbeitsplatzes. Zugleich beschreibt er ein „Hamsterrad“: Wenn die finanzielle Lage einer Kommune angespannt ist, verschiebt oder begrenzt sie Beschaffungen. Dann arbeiten Beschäftigte häufiger mit älteren Geräten. Gleichzeitig steht die Kommune unter Druck, über Zulagen und Vergütung zu diskutieren. „Ein sauberer, guter Arbeitsplatz mit Top-Material ist natürlich auch ein Faktor, um Fachkräfte zu halten und zu gewinnen“, sagt der Bauhofleiter aus Dinslaken.

GaLaBau Bayern berichtet ebenfalls von wachsenden Schwierigkeiten, geeignete und erfahrene Fachkräfte zu finden. Nach Einschätzung des Verbands haben größere Betriebe in strukturstarken Regionen dabei Vorteile. Für die Arbeitgeberwahl sind Vergütung, Arbeitszeit, Aufgabenvielfalt, Weiterbildungs- und Karrierechancen, Ausstattung, Arbeitsplatzsicherheit sowie das Image eines Betriebs relevant. Den Wettbewerb zwischen GaLaBau-Betrieben und Bauhöfen um Bewerbende schätzt GaLaBau Bayern allerdings als eher gering ein, weil GaLaBau-Betriebe meist ein breiteres Leistungsspektrum abdecken.

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