ERFAHRUNGSBERICHTE UND INTERVIEWS

Neubau in  Furtwangen – Ein voller Erfolg

Text: Sarah Christin König-Aziz | Foto (Header): © Stadt Furtwangen

Die Technischen Dienste der Stadt Furtwangen (Baden Württemberg) haben dank großer Eigeninitiative bei Planung und Umsetzung einen neuen Baubetriebshof, der alle zufriedenstellt.

Auszug aus:

der bauhofLeiter
Ausgabe Dezember 2019
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Im Gespräch mit Norbert Wiehl, Leiter Eigenbetrieb Technische Dienste der Stadt Furtwangen

Ende September haben Sie Ihren neuen Bauhof bezogen. Hatten Sie eine schöne Einweihungsfeier?

Ja, wir haben die offizielle Schlüsselübergabe mit einem Tag der of­fenen Tür gefeiert. Von den über 1.000 Besuchern haben wir sehr positive Reaktionen auf unsere neuen Gebäude erhalten. Am Mon­tag darauf sind wir direkt in den neuen Betriebshof eingezogen.

Welche Gebäude umfasst der Betriebshof?

Das neue Grundstück bietet 6.000 qm Fläche. Darauf befinden sich das 1.250 qm große zweistöckige Hauptgebäude mit Werk­stätten, Fahrzeughallen, Waschhalle, Sozialräumen und Büros sowie die Gärtnerhalle, die 200 qm groß ist. Darüber hinaus gibt es auf der Außenfläche Lagerboxen mit 46 m Länge. Außerdem verfügen die Technischen Dienste noch über ausgelagerte Flä­chen im ca. 1 km entfernten Klärwerk. Dort befinden sich die Salzsilos und Schneepflüge.

Warum wurde der Bauhof neu errichtet?

Die Stadt hat den alten Standort verkauft, da dieser für die Er­weiterung der in der Nachbarschaft befindlichen Industrieanla­gen benötigt wurde. Somit wurde ein neuer Standort mit neuen Räumlichkeiten nötig.

Wie lange hat die Planungsphase gedauert und wie viel Zeit hat das Bauvorhaben in Anspruch genommen?

Seit 2015 haben wir einen Standort gesucht, waren zwischenzeit­lich fündig geworden. Doch nachdem schon ein Großteil der Pla­nung abgeschlossen war, mussten wir den Standort aus Gründen des Wasserschutzes wieder aufgeben. Somit hat die konkrete Pla­nung, nachdem der endgültige Standort gefunden war, nur noch etwa ein Jahr in Anspruch genommen. Glücklicherweise konnten wir einen Großteil der vorhergehenden Planung beibehalten. Der Bau begann im Juli 2018, am 28.09.2019 haben wir unsere Er­öffnung gefeiert. Mit einem Jahr und zwei Monaten ist der Bau­prozess sehr zügig verlaufen.

Wie viel hat das Bauvorhaben gekostet und konnte das geplante Budget eingehalten werden?

Es wurden 4,3 Mio. Euro für das Projekt veranschlagt. We­gen eines unerwartet großen Bodenaustauschs des moorigen Untergrunds und des zusätzlich notwendigen Regenrückhalte­systems sowie einer zusätzlichen Halle, die im Bauprozess nach­träglich geplant und genehmigt wurde, musste das Budget ge­ringfügig überschritten werden. 4,7 Mio. hat der Neubau am Ende gekostet.

Wie wurden die Bauhofmitarbeiter bei der Planung beteiligt?

Da ich selbst die Planung gemacht habe und durch meine Be­rufserfahrung als Polier und Bauleiter den Planungs- und Ent­stehungsprozess als Bauleiter selbst sehr intensiv begleitet habe, konnte ich auch meine Mitarbeiter umfassend einbeziehen und ihre Bedürfnisse berücksichtigen. So haben wir u. a. die Einrich­tung der Werkstätten, zu beschaffende Werkzeuge und Maschi­nen und die Arbeitsplatzgestaltung miteinander abgestimmt.

Welche besonderen Wünsche der Bauhofmitarbeiter sind berücksichtigt worden?

Ein Wunsch war, dass die Werkstatt keine Grube, sondern statt­dessen eine Hebebühne haben sollte. Darüber hinaus gab es z. B. den Wunsch, die Zimmerei großzügig zu gestalten und das Lager zu optimieren.

Haben die Bauhofmitarbeiter auch selbst am Bauprozess mitgewirkt?

Ja natürlich. Ohne meine Mitarbeiter ging gar nichts! Sie haben die Malerarbeiten übernommen, Zwischendecken im Hauptge­bäude eingezogen, Dacharbeiten erledigt, die Zimmererarbeiten in der Gärtnerhalle ausgeführt und vieles mehr.

Mit welchem Architekten haben Sie zusammengearbeitet? Nach welchen Kriterien haben Sie das Architekturbüro ausgewählt?

Wir haben uns für das Ingenieurbüro Sättele entschieden. Ich kenne den Architekten Bernd Sättele sehr gut. Entscheidend für unsere Zusammenarbeit war jedoch, dass er Architekt und Sta­tiker ist und wir somit alles aus einer Hand bekommen konnten. Zudem hat er bereits Erfahrung im Bau von Betriebshöfen, was entscheidend ist, für den Erfolg eines solchen Vorhabens. Es gibt doch einige Besonderheiten bei der Planung und Umsetzung der Gebäude für einen Bauhof. Dass der Architekt mit diesen bereits vertraut war und wir eine gute kommunikative Ebene miteinan­der haben, war sehr hilfreich. Diese Argumente haben auch den Gemeinderat bei der Genehmigung überzeugt.

Wie verlief die Zusammenarbeit mit dem Architekten und den Baufirmen?

Die Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro verlief entspre­chend gut und zügig. Aber auch mit der Baufirma waren wir sehr zufrieden. Sie hat den Rohbau umgesetzt, die Außenanla­gen und einen großen Teil der Zimmererarbeiten.

Meine eigene Erfahrung im Baugewerbe hat sicherlich auch ge­holfen, zumal ich als Bauleiter ohne Umwege und mit dem nö­tigen Praxiswissen auf Probleme oder notwendige Änderungen reagieren konnte.

Gibt es bauliche oder technische Besonderheiten?

Uns war es v. a. wichtig, den Bauhof möglichst funktionell zu ge­stalten. Trotzdem freut es uns natürlich, dass sich das Objekt mit den vielen Holzelementen gut in die Landschaft einfügt.

Da sich der neue Betriebshof auf einem Hanggrundstück befin­det, haben wir beschlossen, das Hauptgebäude zweistöckig zu bauen. Die Fahrzeughalle ist im oberen Stockwerk untergebracht und über eigene Einfahrten, die sich durch die Hanglage erge­ben, befahrbar. Der obere Teil des Gebäudes ist in Holzbauweise errichtet worden.

Beheizt werden die Werkstätten sowie die Fahrzeughalle durch Betonkernaktivierung, was bei einer Raumhöhe von 6 m sehr praktisch ist. So kann auch im Winter eine Raumtemperatur von 12 bis 15 ˚C energiesparend gehalten werden.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?

Ich selbst bin sehr zufrieden, v. a. auch im Vergleich mit den Räumlichkeiten, in denen wir zuvor gearbeitet haben. Auch beim Tag der offenen Tür haben wir viel positives Feedback und viel Lob erhalten. Aber das Wichtigste ist, dass meine Mitarbeiter zu­frieden sind und gern auf dem neuen Gelände arbeiten. Auch von ihnen habe ich bisher keine Klagen gehört. Deshalb ist der Neubau unseres Betriebshofs für mich ein voller Erfolg.

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