ERFAHRUNGSBERICHTE UND INTERVIEWS
Langfristig denken, gezielt beschaffen
Text: Inga Dora Schwarzer | Foto (Header): © Bauhof Sankt Augustin
Wie lässt sich ein kommunaler Fuhrpark bedarfsgerecht, wirtschaftlich und zukunftssicher aufstellen? Im ergänzenden Online-Interview zum Artikel „Effiziente Fahrzeugbeschaffung“ aus unserer Sonderausgabe 2026 erläutert Patrick Bohot, Sachbearbeiter der Stadt Sankt Augustin, wie dort Bedarfsanalyse, Ersatzbeschaffung und die Entscheidung für einen reinen Kauffuhrpark funktionieren.
Wie gelingt Ihnen eine sinnvolle Bedarfsanalyse des Fuhrparkbestands?
Eine Bedarfsanalyse basiert bei uns auf einer Kombination aus der Auswertung der laufenden Kosten, der Ersatzteilversorgung sowie dem Alter und Zustand der Fahrzeuge. Wir betrachten regelmäßig den tatsächlichen Fahrzeugeinsatz, also Auslastung, Einsatzhäufigkeit und Einsatzbereiche. Gleichzeitig beziehen wir die Rückmeldungen der Mitarbeitenden im Bauhof aktiv mit ein, da diese die Fahrzeuge täglich nutzen. Ziel ist es, den Fuhrpark weder zu überdimensionieren noch Engpässe entstehen zu lassen, beispielsweise durch lange Lieferzeiten neuer Fahrzeuge, sondern ihn bedarfsgerecht und wirtschaftlich aufzustellen.
Aus welchen Gründen finden Ersatz- bzw. Neubeschaffungen statt? Welche wirtschaftlichen Aspekte fließen hierbei mit ein?
Ersatzbeschaffungen erfolgen in der Regel dann, wenn Fahrzeuge altersbedingt unwirtschaftlich werden oder die Reparaturkosten unverhältnismäßig steigen. Auch zunehmende Ausfallzeiten sind ein klarer Indikator. Direkt nach Abschreibung neu zu beschaffen, hat sich als unwirtschaftlich herausgestellt. Deshalb wird jährlich geprüft und entschieden, welche Fahrzeuge neu oder als Ersatz beschafft werden müssen. Neubeschaffungen können notwendig sein, wenn sich Aufgabenbereiche verändern oder erweitern.
Was ist bei der Beschaffung noch zu berücksichtigen?
Neben den wirtschaftlichen Faktoren sind vor allem die Einsatzanforderungen entscheidend. Fahrzeuge müssen exakt zu den Aufgaben am Bauhof passen, sowohl technisch als auch ergonomisch. Weitere Aspekte sind die Arbeitssicherheit, der Bedienkomfort sowie die Umwelt- und Emissionsanforderungen.
Welchen Stellenwert bzw. welche Bedeutung besitzt die Fahrzeugbeschaffung am Bauhof?
Die Fahrzeugbeschaffung hat einen sehr hohen Stellenwert, da ein funktionierender Fuhrpark die Grundlage für die tägliche Arbeit des Bauhofs ist. Ohne zuverlässige Fahrzeuge können viele Aufgaben der Daseinsvorsorge nicht erfüllt werden. Eine vorausschauende Beschaffung sichert daher nicht nur die Einsatzfähigkeit, sondern trägt auch wesentlich zur Wirtschaftlichkeit und Planungssicherheit bei.
Inwieweit binden Sie Hersteller/Händler in den Entscheidungsprozess mit ein?
Hersteller und Händler sind für uns wichtige fachliche Ansprechpartner, insbesondere, wenn es um technische Entwicklungen oder spezifische Lösungen geht. Wir nutzen ihre Expertise, beispielsweise durch Beratungsgespräche oder Vorführungen.
Kaufen, leasen oder mieten: Welche Möglichkeiten nutzen Sie? Und wo liegen Vor- und Nachteile?
Wir setzen bewusst auf einen reinen Kauffuhrpark und verzichten auf Leasing oder Miete.
Vorteile: Die Fahrzeuge gehen beim Kauf in das Eigentum der Stadt über und erhöhen somit das Eigenkapital. Nach der Aussonderung können die Fahrzeuge, unabhängig davon, ob diese alters- und verschleißbedingt oder aufgrund irreparabler Schäden erfolgt, häufig noch veräußert werden. Bei Leasingfahrzeugen sind Schäden bei der Rückgabe zudem finanziell auszugleichen. Darüber hinaus besteht eine größere Flexibilität bei der Nutzung. Die Fahrzeuge können über einen unbestimmten Zeitraum genutzt werden und müssen nicht nach beispielsweise drei oder fünf Jahren zurückgegeben werden. Nach Ablauf der Nutzungsdauer kann geprüft werden, ob eine Weiternutzung wirtschaftlich ist oder ob das Fahrzeug ausgesondert und veräußert werden muss. Viele städtische Fahrzeuge, insbesondere Nutzfahrzeuge, verfügen über eine individuelle Ausstattung, wie z. B. Rundumkennleuchten oder Innenausbauten zum Transport von Werkzeugen und Material. Solche Fahrzeuge werden von Leasinganbietern kaum angeboten. Zusätzlich können Inspektion, Wartung und Instandsetzung nach eigenem Ermessen durch die Kfz-Werkstatt der Stadt durchgeführt werden.
Nachteile: Je nach Fahrzeugtyp bestehen zum Teil hohe Investitionskosten. Insbesondere in den ersten Jahren unterliegen die Fahrzeuge einem deutlichen Wertverlust. Wenn sie ein höheres Alter erreichen, besteht zudem das Risiko teurer Reparaturen oder fehlender Ersatzteile, was eine Aussonderung unumgänglich machen kann.
Spezialfahrzeuge kosten viel Geld und werden i.d.R. nur selten genutzt. Inwiefern arbeiten Sie interkommunal mit anderen Bauhöfen zusammen? Was sind Vorteile einer Fahrzeugkooperation?
Aktuell setzen wir auf einen eigenständigen Fuhrpark und arbeiten nicht interkommunal mit anderen Bauhöfen bei den Fahrzeugen zusammen.
Wie äußern Sie den Wunsch eines neuen Fahrzeugs an die Verwaltung? Welche Argumente sind wichtig?
Die Anmeldung erfolgt strukturiert und begründet, in der Regel im Rahmen der Haushaltsplanung. Wichtige Argumente sind: Wirtschaftlichkeit, Betriebssicherheit, Zuverlässigkeit und die Effizienzsteigerung im Arbeitsablauf.
Sonstiges, was Sie zum Thema „Fahrzeugbeschaffung“ für wichtig erachten…
Ein entscheidender Punkt ist aus unserer Sicht die langfristige Strategie. Fahrzeugbeschaffung sollte nicht isoliert betrachtet werden, sondern immer im Kontext der gesamten Fuhrparkentwicklung. Dazu gehören auch Themen wie der Technologiewandel, beispielsweise alternative Antriebe, steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit sowie die Fachkräftesicherung durch moderne Arbeitsmittel. Ein gut aufgestellter Fuhrpark ist letztlich ein wesentlicher Baustein für einen leistungsfähigen und zukunftssicheren Bauhof.
Die Autorin
Inga Dora Schwarzer
freie Journalistin, ist bereits seit über zehn Jahren als selbstständige Autorin aktiv und veröffentlicht diverse Fachartikel in Print- und Online-Medien.