ERFAHRUNGSBERICHTE UND INTERVIEWS

Spuckschutzwände – Marke Eigenbau

Text: Stefanie Bobinger | Foto (Header): © Bauhof Ehingen

In Supermärkten, Apotheken oder Arztpraxen tauchten sie vor Wochen als Erstes auf: Transparente Spuckschutzwände, die Husten-, Nies- sowie Spuckschutz bieten. Auch Städte und Gemeinden mussten entsprechend aufrüsten. In Ehingen/Donau (Baden-Württemberg) wurden die Spuckwände in Eigenleistung hergestellt.

Auszug aus:

der bauhofLeiter
Ausgabe Juni 2020
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Im Gespräch mit Walter Kreutle, Bauhofleiter Stadt Ehingen/Donau

Herr Kreutle, wie kamen Sie auf die Idee die Spuckschutzwände im Bauhof selbst herzustellen?

Derzeit ist es wiederholt ein Thema, wie Mitarbeiter geschützt werden können, wenn Rathäuser, Schulen, Kindergärten oder Museum, Bücherei usw. wieder geöffnet werden. Da kam die Anregung, Schutzwände zu besorgen, was aber z. T. wegen der großen Nachfrage gar nicht so einfach war. Wir beschlossen daher, die Spuckwände in Eigenleistung herzustellen.

Wie gingen Sie nach dieser Entscheidung vor?

Zunächst begannen wir mit der Suche nach Plexiglas. Dabei war sehr spannend, wie sich hier der Preis unterscheidet. Bei manchen Firmen hätten wir mehr als das Dreifache bezahlt. Es hat sich also gelohnt, bei mehreren Firmen anzufragen. Dann konnte die Produktion starten. Der erste Auftrag lag bei ca. 40 Spuckschutzwänden. Dies hat sich ständig erhöht, inzwischen auf weit über 100 Spuckwände. Dabei wurden immer wieder neue Anforderungen an uns gestellt. Beispielsweise fertigen wir speziell für die Musikschule Spuckschutzwände mit 1,80 m auf Rollen, die zwischen die Musikschüler geschoben werden können.

 

Wer hat den Eigenbau übernommen?

Unsere zwei Schreiner Erwin Braig und Martin Schubert waren gleich bereit und hoch motiviert, die Spuckschutzwände selber in verschiedenen Modellen herzustellen.

 

Wie sieht der Arbeitsablauf bei der Herstellung einer Spuckschutzwand aus?

Zuerst werden aus Fichtenbrettern (aus dem Stadtwald) die Holzleisten herausgeschnitten. Diese werden anschließend gehobelt, eine Nut eingefräst und die Kanten abgerundet. Dann wird mit einem Spezialsägeblatt, Zahnform Trapezzahn, das Plexiglas von einer Platte mit 3 x 2 m herausgeschnitten. Danach wird das zugeschnittene Plexiglas in die Nute der Leiste eingeführt und zusammengeschraubt. Für die Standfüße, die ausgeschnitten und angeschraubt werden, verwenden wir eine Funierplatte 10 mm.

Die Arbeitszeit pro Schutzwand liegt bei ca. einer Stunde.

 

Haben Sie sich bereits überlegt, was mit den Spuckwänden nach der Corona-Pandemie passieren soll?

Die meisten Spuckwände wurden so hergestellt, dass wir das Plexiglas weiterverwenden können, wenn die Spuckwände nicht mehr benötigt werden. Man könnte sie dann z. B. für Fenster von Veranstaltungshütten nutzen.

 

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

Baubetriebshof der Stadt Ehingen (Donau)
Bauhofleiter: Walter Kreutle
Mitarbeiterzahl: 45
Einwohnerzahl: Kernstadt 17.283, Teilorte 9.606

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