TIPPS UND INFOS

Maus raus statt Licht aus

Netzbetreiber ED Netze schützt seine Infrastruktur mit vernetzten Köderschutzboxen

Text: Tillmann Braun, freier Journalist | Foto (Header): © BILDQUELLE – torook – stock.adobe.com

Schadnager können nicht nur Krankheiten übertragen, sondern auch wichtige Infrastruktur gefährden. Besonders weitreichende Konsequenzen hat das bei Energieversorgern. Durch Mäuse und Ratten beschädigte Kabel können die Sicherheit gefährden und zum Ausfall ganzer Umspannwerke führen. Um dies zu verhindern, setzt man bei ED Netze nun auf vernetzte Köderschutzboxen, mit denen Schadnager umgehend erkannt und bekämpft werden können.

Viele Unternehmen haben mit Schäden durch Mäuse und Ratten zu kämpfen. Besonders weitreichende Konsequenzen hat das, wenn es sich dabei um wichtige Versorger wie Energieunternehmen handelt. „Ob im Gebäude oder im Kabelkanal: Befinden sich Mäuse oder Ratten im Kraftwerk, nagen sie alles an, was an Kabeln und Elektronik dort ist“, berichtet Markus Vollmer, Fachspezialist Abwasser bei der ED Netze GmbH. Bereits ein kleiner Schaden etwa an einem Brandmeldekabel kann potenziell die Sicherheit gefährden oder in einer Kettenreaktion zum Ausfall des Umspannwerks und damit des Standortes führen. „Ein solcher Ausfall kann weitreichende Folgen haben bis hin zu zwischenzeitlichen Engpässen oder dem Ausfall der Versorgung Tausender von Haushalten und Unternehmen“, so der Fachmann. Kleiner Schaden, große Wirkung.

 

„Das ständige Anfahren aller Standorte zwecks Monitoring war ein riesiger Aufwand“

Da Stromerzeugung und -verbrauch selten am gleichen Ort geschehen, stellt ED Netze als Netzbetreiber in Südbaden die dafür notwendige Infrastruktur zur Verfügung – von der Region südlich von Freiburg bis zum Hochrhein. Markus Vollmer trägt dabei die Verantwortung für die Schädlingsbekämpfung und das Monitoring in 40 Anlagen. Somit ist Vollmer für die Schädlingsbekämpfung in einem riesigen Gebiet zuständig. Bis vor Kurzem musste er mit seinem Team deshalb jeden Monat Hunderte von Kilometern zurücklegen, um die einzelnen Standorte zu überprüfen. Denn wer mit Bioziden und Rodentiziden arbeitet – was in den meisten Fällen notwendig ist – darf die Giftköder nur anlassbezogen einsetzen und muss dementsprechend stetig kontrollieren, ob Schadnager vor Ort sind. „Das ständige Anfahren aller Standorte zwecks Monitoring war ein riesiger Aufwand“, erinnert sich Markus Vollmer.

Wie es die Vorschriften verlangen, nutzt ED Netze für das Monitoring in den Umspannwerken seit jeher Lockstoffe ohne Gift und bringt die Biozide und Rodentizide erst dann aus, wenn es einen Anlass gibt. Neuerdings ist es allerdings deutlich leichter, den Anlass, sprich: den akuten Schadnagerbefall festzustellen.

Maus raus statt Licht aus

„Bereits nach der Testphase waren die Fallzahlen stark zurückgegangen“

Im Dezember startete ED Netze in 18 Umspannwerken und Schaltstationen einen Test mit vernetzten Köderschutzboxen. Das verwendete System des Nürnberger Unternehmens ball-b nutzt dabei u.a. Funk- und Cloud-Technologie. Zusätzlich zu den vernetzten Köderschutzboxen für den Einsatz im Kanal, die bereits von rund 500 Kommunen und Betrieben in Deutschland genutzt werden, hat ball-b Ende letzten Jahres auch Modelle für den oberirdischen Einsatz auf den Markt gebracht. „Bereits nach der einmonatigen Testphase waren die Fallzahlen stark zurückgegangen“, bilanziert Markus Vollmer. Und auch mit der Zuverlässigkeit der Datenübertragung war man bei ED Netze sehr zufrieden.

Mit dem System werden die einzelnen Besuche der Mäuse und Ratten am jeweiligen Standort automatisch erfasst und per Funk übermittelt. Das Monitoring kann somit also vom PC zentral erfolgen, ohne dass die einzelnen Köderschutzboxen ständig von Mitarbeitern vor Ort kontrolliert werden müssen. „Das System ist genial und von allen Systemen am besten durchdacht“, resümiert Markus Vollmer.

 

Kein Befall, kein Stress

Nach der erfolgreichen Testphase nutzt ED Netze mittlerweile bereits an allen 40 Standorten die oberirdische Köderschutzboxen – insgesamt rund 100 Stück. „Je nach Größe des Standorts sind es drinnen und draußen zwischen ein und vier Boxen“, berichtet Vollmer. Dort, wo die Deutsche Telekom bereits den NB-IoT-Funkstandard ausgerollt hat, nutzt ED Netze die Modelle mit NB-IoT, was eine Echtzeitübertragung der Daten aus den einzelnen Köderschutzboxen ermöglicht. Dies ist an 80 Standorten der Fall. In den anderen Einsatzgebieten kommt der ULE-Funkstandard zum Einsatz, sodass die Daten mit einem Lesegerät erfasst und übermittelt werden können. „Auf meinem PC sehe ich so alle Begehungen und somit den konkreten Befall sowie weitere Informationen etwa zum eingesetzten Wirkstoff und zur Pflege“, freut sich Markus Vollmer. „Das hilft auch bei der Dokumentation. Und wenn es keinen Befall gibt, dann habe ich auch keinen Stress“, so Vollmer weiter.  „Erst wenn ich Begehungen habe, setze ich das notwenige Gift ein und kontrolliere dann vorschriftsmäßig vor Ort.“

 

Moderne Schadnager-Bekämpfung ist zeitsparend, umweltfreundlich und gesetzeskonform

Letztlich dürften die neuen oberirdischen Boxen, die sich auch mit den Modellen für den Einsatz im Kanal sowie in Wassernähe kombinieren lassen, somit auch dazu beitragen, dass Schädlingsbekämpfer aus Zeit- und Ressourcen-Mangel nicht jede Box selbst ohne Anlass mit Gift bestücken. Denn obwohl dies gesetzlich verboten ist und die Verantwortlichen dafür haften, ist dies mancherorts weiterhin gängige Praxis. Es besteht also guter Grund zur Hoffnung, dass mit den vernetzen Köderschutzboxen eine neue Zeitrechnung bei der Schadnager-Bekämpfung beginnt, wie es bei ED Netz bereits der Fall ist.

JETZT ABONNENT WERDEN UND KEINE AUSGABE VERPASSEN:

der bauhofLeiter

Das Fachmagazin für den kommunalen Bauhof