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Der Sprit sitzt mit am Planungstisch

Text: Marco Weiß | Foto (Header): ©pwmotion – stock.adobe.com

Wenn der Dieselpreis steigt, gerät nicht nur die Tankrechnung in Bewegung. Der Kraftstoff wird zunehmend zur strategischen Haushaltsfrage. Im Interview erklärt Betriebsleiter Marco Weiß, wo eigene Tankanlagen Spielraum verschaffen – und warum die aktuellen Preissprünge dennoch nicht vollständig aufzufangen sind.

Auszug aus:

der bauhofLeiter
Ausgabe Juni 2026
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Der Dieselpreis ist längst mehr als eine Position unter „Betriebskosten Fahrzeuge“. Er entwickelt sich zunehmend zu einer wichtigen Planungsgröße im Wirtschaftsplan. Denn viele kommunale Fuhrparks sind weiterhin stark dieselabhängig – vom Transporter über Lkw und Schlepper bis hin zu Geräteträgern und Spezialmaschinen. Verändert sich der Literpreis innerhalb kurzer Zeit deutlich, wirkt sich das unmittelbar auf die laufenden Betriebskosten aus.

Wie deutlich die Mehrbelastung ausfallen kann, zeigt das Beispiel Delmenhorst. „Seit Beginn des Jahres ist der Dieselpreis um fast 40 Prozent gestiegen, in Spitze sogar um 50 Prozent“, sagt Marco Weiß, Betriebsleiter des Bauhofs Delmenhorst. „Für unseren Bauhof bedeutet dies Mehrkosten von rund 2.300 bis 2.500 Euro pro Monat gegenüber der ursprünglichen Planung.“ Auf das Jahr gerechnet entsteht damit ein zusätzlicher fünfstelliger Betrag, der im Wirtschaftsplan berücksichtigt werden muss.

Großeinkauf hilft – aber nicht grenzenlos

Viele Bauhöfe haben gegenüber dem Tanken an öffentlichen Tankstellen einen Vorteil: Sie verfügen über eigene Tankanlagen und kaufen Kraftstoff in größeren Mengen ein. Dadurch lassen sich i. d. R. bessere Konditionen erzielen. Außerdem können Hochpreisphasen teilweise überbrückt werden, wenn ausreichend Vorrat vorhanden ist und der Einkauf zu einem passenden Zeitpunkt erfolgt.

Auch Weiß sieht darin einen wichtigen Hebel: „Durch die größeren Mengen ist ohnehin ein besserer Preis als an den Tankstellen zu erreichen.“ Zugleich macht er deutlich, dass auch der Großeinkauf die Entwicklung nicht aufhebt. „Aber auch hier sind die Sprünge ähnlich groß beim Bezugspreis. Der große Vorteil ist, dass Hochpreisphasen viel besser überbrückt werden können“, erklärt Weiß. Wichtig sei dabei „die ständige Beobachtung der Preisentwicklung und die aktuelle Risikoeinschätzung, denn ein Kauf zum falschen Zeitpunkt kann den Vorteil schnell verpuffen lassen“. Wie wirkungsvoll der Einkauf ist, hängt nach seiner Einschätzung auch von der jeweiligen Tankgröße ab. Größere Tanks verschaffen mehr Spielraum, kleinere Anlagen begrenzen die Flexibilität.

Der Kraftstoffeinkauf wird damit stärker zu einer aktiven Steuerungsaufgabe: Beschaffungszeitpunkte müssen bewusst abgewogen, Preisentwicklungen beobachtet und die Versorgungssicherheit des Betriebs gewährleistet werden. Oder, wie Weiß es zusammenfasst: „Generelle Mehrbelastungen können somit gemindert, jedoch nicht vermieden werden.“

Einsparpotenziale realistisch einschätzen

Die naheliegende Antwort auf steigende Kraftstoffpreise lautet: weniger verbrauchen. Leichter gesagt als getan. Natürlich können Touren überprüft, Fahrten gebündelt, Leerfahrten reduziert und Einsatzpläne optimiert werden. Solche Maßnahmen sind sinnvoll und in vielen Bauhöfen ohnehin gelebte Praxis. Sie helfen, unnötige Kilometer zu vermeiden und vorhandene Ressourcen effizient einzusetzen.

Preissteigerungen von 40 oder 50 Prozent lassen sich dadurch jedoch i. d. R. nicht ausgleichen. Ein großer Teil des Kraftstoffverbrauchs hängt an festen Leistungen, saisonalen Anforderungen und der vorhandenen Fahrzeug- und Maschinenstruktur. Kurzfristig lässt sich daran nur begrenzt etwas ändern.

Damit rücken andere Kostenbereiche stärker in den Blick. Wenn zusätzliche Kraftstoffausgaben nicht durch vorhandene Ansätze aufgefangen werden können, müssen andere Positionen geprüft werden. Das kann Wartung, Reparaturen, Ersatzbeschaffungen, Investitionen oder auch personalbezogene Ausgaben betreffen.

Gerade hier ist Augenmaß gefragt. Werden Wartungen verschoben, kann das kurzfristig entlasten, langfristig aber höhere Folgekosten verursachen. Werden Ersatzbeschaffungen oder Investitionen in effizientere Technik zurückgestellt, bleiben ältere und häufig verbrauchsintensivere Fahrzeuge und Maschinen länger im Einsatz. Deshalb sollten kurzfristige Einsparungen immer auch auf ihre Wirkung für Betriebssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit geprüft werden.

Verschiebung innerhalb des Haushalts

„Im Haushalt macht sich der höhere Dieselpreis schnell bemerkbar. Vorrangig müssten die Mehrkosten über Einsparungen gedeckt werden“, sagt Weiß. Wo es die Betriebsform zulässt, können zusätzlich Mehreinnahmen oder angepasste Verrechnungssätze eine Rolle spielen.

Eine Möglichkeit sind angepasste Maschinenverrechnungsstundensätze. Das ist betriebswirtschaftlich nachvollziehbar: Wenn Diesel, Wartung, Reifen, Schmierstoffe und andere Betriebskosten steigen, sollten diese Veränderungen auch in den Stundensätzen sichtbar werden. Andernfalls bildet die Kalkulation die tatsächlichen Kosten nicht mehr vollständig ab.

Gleichzeitig löst eine Anpassung der Verrechnungssätze die Mehrkosten nicht auf. Sie verändert v. a., wo sie im kommunalen Haushalt erscheinen. Auch darauf weist Marco Weiß hin: Mehreinnahmen könnten zwar „durch eine Anpassung der Maschinenverrechnungsstundensätze erreicht werden“, das bedeute aber zugleich, „dass man das Problem in die städtischen Kernhaushalte verlagert, die letztendlich dann die Mehrkosten tragen und decken müssen“.

In Delmenhorst wird deshalb folgendermaßen vorgegangen: „Wir warten ab und beobachten die Gesamtkostenentwicklung unseres Wirtschaftsplans. Sollten die bisherigen Einsparungen nicht zum Erfolg führen, wird über eine unterjährige Anpassung unserer Maschinenverrechnungsstundensätze nachgedacht werden müssen.“

Das Vorgehen zeigt einen pragmatischen Weg: erst die Entwicklung eng begleiten, dann bei Bedarf die Kalkulationsgrundlage anpassen. Bauhöfe verfügen dabei über mehrere Stellschrauben: strategischer Einkauf, eigene Tankanlagen, Verbrauchsdaten, optimierte Einsatzplanung und realistische Verrechnungssätze.

Wichtig ist v. a., die tatsächliche Kostenentwicklung frühzeitig sichtbar zu machen. Nur so können Verwaltung und Politik fundierte Entscheidungen treffen. Damit wird der Dieselpreis nicht nur zur Belastung, sondern auch zu einem Anlass, Beschaffung, Kostensteuerung und Investitionsplanung im Bauhof gezielter miteinander zu verbinden.

Das Interview führte Nadine Weiß.

Der Autor

Marco Weiß

Betriebsleitung der Stadt Delmenhorst. Der Baubetrieb ist ein netto Regiebetrieb der Stadt Delmenhorst. Er hat am Hauptsitz eine Größe von 28.450 qm, dazu gehört ein städtischer Friedhof mit 15 ha sowie vier weiteren Außenstellen. Beim Baubetrieb sind ca. 120 Mitarbeiter beschäftigt.

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